Japan und die weibliche Schönheit
Seit meiner Ankunft hier kann ich nicht anders, als die Menschen, insbesondere die Frauen, aufmerksam zu beobachten. Mit Faszination und Bewunderung bemerke ich ein deutlich höheres Maß an Eleganz und Pflege bei beiden Geschlechtern im Vergleich zu Europa. Es ist allgemein bekannt, dass in Japan hohe Hygienestandards herrschen, die nicht nur beim Zubereiten von Sushi, sondern bereits in der Schulbildung verankert sind. Schülerinnen und Schüler lernen früh, ihre Schulen sauber zu halten und zu pflegen, was zweifellos den Grundstein für die besondere Aufmerksamkeit auf Sauberkeit und Hygiene legt.
Während ich in der U-Bahn stehe, ist es fast zu einem Hobby geworden, die gepflegten Hände und akkuraten Haarschnitte der Frauen und Männer zu bewundern sowie das perfekte Make-up der Damen zu bestaunen.
Dieses Streben nach äußerer Perfektion ist tief in den Schönheitsidealen Japans verwurzelt. Porzellanartige Haut wird als Zeichen von Schönheit angesehen, und Frauen verwenden oft Sonnenschutzmittel, tragen Sonnenschirme und suchen nach hautaufhellenden Produkten, um diesen Effekt zu erreichen. Die Vorliebe für große, mandelförmige Augen wird nicht nur in der japanischen Popkultur, insbesondere in Manga und Anime, verstärkt, sondern auch durch den Einsatz von Augen-Make-up und Kontaktlinsen, um die Augen optisch zu vergrößern. Schlankheit wird ebenfalls als ästhetisch angesehen und mit Jugend und Grazie assoziiert, was zu einem starken Fokus auf Diäten und körperliche Aktivitäten führt.
Die Ästhetik der Niedlichkeit, auch Kawaii genannt, hat ebenfalls einen bedeutenden Einfluss auf das Schönheitsideal, besonders bei jüngeren Frauen. Der süße, unschuldige Look, der oft durch niedliche Kleidung, Accessoires und Make-up erreicht wird, ist äußerst beliebt. Trotz moderner Trends bleiben auch traditionelle Elemente wie das Tragen von Röcken, Kleidern oder die Betonung der natürlichen Schönheit durch zurückhaltendes Make-up relevant, ebenso wie das Tragen von Kimonos, insbesondere bei besonderen Anlässen wie Hochzeiten oder formellen Veranstaltungen.
Es ist wichtig zu verstehen, dass Schönheitsideale nicht lediglich individuelle Präferenzen reflektieren, sondern auch gesellschaftliche Erwartungen und Traditionen widerspiegeln. Einerseits üben die bestehenden patriarchalischen und hierarchischen Strukturen einen starken Einfluss auf das gängige weibliche Schönheitsideal aus. Ein aktuelles Beispiel hierfür ist das kürzlich erlassene Gesetz, das Arbeitgebern untersagt, ihren weiblichen Angestellten das Tragen von High Heels vorzuschreiben. Andererseits können diese Ideale auch als Ausdruck subtiler femininer Stärke betrachtet werden, die sich bewusst von männlicher Dominanz abgrenzt.
In den Unterkünften gibt es immer Glätteisen, Lockenstäbe und andere Annehmlichkeiten, um das perfekte Äußere zu gestalten. Es ist faszinierend, allmorgendlich unter japanischen Frauen zu sein, die viel Zeit investieren, um sich für den Tag vorzubereiten. Hier wird großen Wert auf Details gelegt, und eine Vielzahl von Beauty-Produkten kommt zum Einsatz. Ich frage mich unweigerlich, wie viel Zeit und Geld wohl für dieses makellose Erscheinungsbild investiert werden. Das ist wohl ein Denkansatz, der eher europäisch geprägt ist. Selbst im öffentlichen Raum gibt es zahlreiche Möglichkeiten, um sein Aussehen aufzufrischen. In den meisten öffentlichen Toiletten gibt es kleine Make-up-Nischen mit Spiegeln und guter Beleuchtung, um den letzten Schliff zur Perfektion zu geben.
Meine Eindrücke hier haben mich nachdenklich gemacht und gleichzeitig positiv inspiriert. Sie haben mich dazu ermutigt, meine eigene feminine Seite mehr zu betonen und mein Bewusstsein für die Pflege meines Äußeren zu schärfen. Zudem habe ich eine neue Wertschätzung für die Vielfalt und Komplexität der Schönheitsstandards weltweit entwickelt. Was man daraus mitnimmt, bleibt natürlich jedem selbst überlassen. Doch eines ist klar: Die Schönheitskultur in Japan ist ein faszinierendes Zusammenspiel aus Tradition, modernen Einflüssen und einzigartigem Ausdruck.